Das Kapital
Regelmäßiger Lesekreis zum "Kapital" von Karl Marx

ab 22. April 2013
immer Montags, ab 18:30 Uhr

HU Berlin,
Dorotheenstraße 24,
Hegelbau,  Raum  1. 606

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Warum heute noch Marx lesen?

Wir bieten einen Kapitalkurs an, weil wir Marx’ Erklärungen sowohl richtig als auch aktuell finden. Gerade wenn sich alle Welt über die Krise der Geldwirtschaft sorgt, lohnt sich einmal die Frage, wie dieses Wirtschaftssystem eigentlich funktioniert: Die „Kritik der politischen Ökonomie“, so der Untertitel des Werkes, erklärt, woher der Reichtum im Kapitalismus kommt und wie sich darin Nutzen und Schaden dauerhaft verteilen.

 

Kritisch hat sich der Alte schon vor 150 Jahren zu Erklärungsversuchen geäußert, die nach seiner Auffassung nicht die Wurzel des Übels erfassen. Neben der Lektüre gibt es deshalb auch genügend Raum für die Diskussion aktueller kritischer Auffassungen – ob zur Globalisierung, Konjunktur(-politik) und Armut, zur „Gier”, oder zur Ökologie, etc.

 

Schon zu Marx' Zeiten gab es Experten, die den Armen im Lande „Hauptsache Arbeit” wünschten. Marx war nicht so bescheiden: Er wollte wissen, was die Leute von ihrer Arbeit haben. Darum hat er den „Arbeitgebern” auch nicht zu ihrer sozialen Ader gratuliert: Ihm war aufgefallen, dass Arbeitsplätze immer nur „bereitgestellt” werden, wenn an ihnen garantiert der Eigentümer reicher wird - und die Arbeitskräfte nicht.

 

Zur Arbeitslosigkeit, dem „Problem Nr. 1” in der Marktwirtschaft, hatte Marx eine abweichende Meinung: Die „Surplus-Arbeiterpopulation", wie er die Arbeitslosen nannte, hat er nicht als Ausnahme des Systems gesehen, sondern als „notwendiges Produkt der Akkumulation oder der Entwicklung des Reichtums auf kapitalistischer Grundlage". Deshalb hat er sich nicht wie die Sozialwissenschaftler Sorgen um den sozialen Zusammenhalt dieser Gesellschaft gemacht, und bei der Regierung Analysen über die Risiken der „strukturellen Arbeitslosigkeit” eingereicht. Sondern die kapitalistische Produktionsweise kritisiert, in der die Lohnabhängigen in ständig erweitertem Umfang vom produzierten Reichtum ausgeschlossen werden.

 

Ökologische Debatten sind nicht erst heute hoch im Kurs. Aber Marx hat nicht dazu aufgerufen, die geschundene Natur vor „dem Menschen” und „seiner” Technik in Schutz zu nehmen. Die Vergiftung der natürlichen Lebensgrundlagen wollte er vielmehr an der Quelle abstellen: „Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter". Er hatte festgestellt, dass ohne Zerstörung von arbeitenden Menschen und ohne Rücksichtslosigkeit in der Ausnutzung der Natur der Kapitalismus nicht zu haben ist: Wo Land und Leute zum Mittel des Geschäfts werden, wird es dauerhaft ungemütlich.

 

An Friedensdemonstrationen hätte Marx sich wohl auch nicht beteiligt. Seine Sache war es nicht, an Politiker zu appellieren, die bei jeder Kriegsplanung angeblich immer nur den Frieden wollen. Er hat den Arbeitern Frieden versprochen - aber nur für den Fall, dass sie sich ihrer Ausbeuter und politischen Herrschaft entledigen: „In dem Maße, wie die Exploitation des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch eine andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander". Für ihn war im Gegensatz zur heute gültigen Lesart nicht eine grundsätzliche „Aggressivität des Menschen” die Ursache dafür, dass der zwischenstaatliche Umgang so regelmäßig kriegerische Töne annimmt. Ihm war klar, dass die Angehörigen der verschiedenen Länder nur deshalb zu Feinden werden, weil die jeweiligen Staaten sich bei der Durchsetzung ihrer auswärtigen Interessen einander in die Quere kommen.

 

Die Wirkungen dieser Produktionsweise wollte Marx eben nicht als Ausnahme, Skandal oder Ungerechtigkeit einsortieren, sondern ihre Notwendigkeit für diese Form der Reichtumsproduktion nachweisen: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine 'ungeheure Warenansammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware".

 

Unser Angebot: in einem gründlichen Lektürekreis zu diskutieren, was sich heute von Marx noch lernen lässt.

 
Welche Ausgabe?

Wir empfehlen die klassische Ausgabe des Dietz-Verlages ("Blaue Bände"), die sowohl als Marx-Engels-Werke (MEW) Bd. 23-25 erschienen ist, als auch text- und seitengleich in in drei Einzelbänden:

Das Kapital, Band I: Der Produktionsprozeß des Kapitals. Berlin, Dietz, 1962. ISBN 978-3320002626
Herausgeber bis 1990: "Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED"; heute: Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Andere Ausgaben enthalten teilweise den Text früherer Auflagen (oder gleich eine "gekürzte Fassung") oder bieten weniger sorgfältige Bearbeitung. Und: bei der Besprechung und zur Vorbereitung ist schon nützlich, dieselbe Edition vorliegen zu haben.

Woher nehmen?

Die Blauen Bände sind oft antiquarisch erhältlich, besonders, wenn man gleich alle drei Kapital-Teile zusammen kaufen will. Das einzelne Buch kostet dann zwischen 5€ und 15€.
Ähnlich sieht es bei ebay aus, wo sich die drei Bände zusammen für 20-30€ finden.

Außer im Buchhandel läßt sich unsere Ausgabe auch bei Amazon neu (24,90€) oder gebraucht bestellen.

Der Text findet sich auch online als pdf-Kopie, oder unter mlwerke.de (html mit Seitenangaben zur Dietz-Ausgabe).

 

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